|
|
|
|
|
Kleiner wohnen im Minihaus
Es
ist winzig, eigenartig und mischt sich frech unter seine großen
Artgenossen: das Minihaus. Ein geschrumpftes Einfamilienhaus, das sich
geschmeidig in kleine Baulücken schmiegt und auch auf minimalen Flächen
Platz findet. Eine kleine Wohnkapsel, in der nur das Nötigste vorhanden
ist und alles Überflüssige verbannt wurde.
27.11.2001 [Archiv] |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
aspekte
Das Kulturmagazin im ZDF
nächste Sendung: 16.03.07 23:50 Uhr |
|
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
 |
Im japanischen Großstadtdschungel hat sich das Minihaus bereits
durchgesetzt. Wird es auch den deutschen Markt erobern?Ausufernder
Luxus ist out, das Minimale gewinnt wieder an Reiz. In der rasanten
High-Tech-Welt scheint die Sehnsucht nach Übersichtlichkeit und
Schlichtheit zu wachsen.
|
 |
| |
| |
|
 |
Das Minihaus passt sich den Bedürfnissen des Großstadtneurotikers an:
Es will ein Refugium bieten vor dem Chaos des Alltags. Für die
wesentlichen Wohnfunktionen ist Platz. Alles andere muss draußen
bleiben. Das heißt: Sofagarnitur, Wohnzimmerschrank, Nippes-Regal: bye
bye. Solche Dinge sind zu erdrückend und beanspruchen zu viel Raum. Was
im Minihaus bleibt, ist ein radikal abgerüstetes, befreites Interieur.
Im asketischen Ambiente soll der Hausbewohner sich zurückziehen können
und Ruhe finden.
|
 |
| |
| |
|
 |
Mönchszellen und Leuchtsegel
So erinnert das "One man house" der Architekten Oliver Kruse und
Katsuhito Nishikawa an eine Mönchszelle des Mittelalters. Das Minihaus
entstand auf einer Grundfläche von 20 m. Ein hölzerner Pavillon mit
klaren Linien in einer gleichermaßen sachlichen und filigranen
Anmutung. Auch das "Aura-House" des Kyotoer Architekturbüros ist
äußerst schlicht gehalten. Es besteht aus einem gerade mal drei Meter
breiten Stahlbetonriegel, über den sich eine Fiberglas-Membran
schwingt. Wie ein kleines Segel inmitten der Häuserschluchten sieht es
aus. Nicht einmal eine Küche findet sich im "Aura-House". Es ist auf
einen Ruheraum beschränkt, in dem man schlafen kann. Das "Wohnen" muss
in den öffentlichen Räumen stattfinden.
|
 |
| |
| |
|
 |
Die
Forderungen der Architekten sind nicht für jeden akzeptabel: "Geh' ins
Restaurant zum Essen, geh' ins Volksbad zum Baden, geh' ins
Fitness-Studio zum Trainieren, geh' ins Kino zur Unterhaltung", sagen
sie. Nach dem Willen des zwölfköpfigen Kyotoer Architekturbüros ist das
"Aura-House" mehr als nur ein kleines Haus. Es soll ein Denkgebäude
sein, in dem das Verhältnis von Privatheit und öffentlichem Raum neu
definiert wird.
|
 |
| |
| |
|
 |
Kein Herz für Minihäuser? Einen
Denkanstoß mögen Minihäuser wie das "Aura-House" bieten, doch
alltagstauglich sind sie in dieser Extremform mit Sicherheit nicht. Es
ist absehbar, dass ein Bewohner mit einem durchschnittlichen
Ordnungssinn ein Minihaus innerhalb von kürzester Zeit von einem
"Refugium vor dem Chaos des Alltags" hin zu einer Chaosstätte ersten
Ranges verwandelt. Doch die etwas größeren Ausgaben der Minihäuser mit
zwei oder drei Zimmern inclusive Küche und Bad wären ein innovatives,
unkonventionelles Konzept für Innenhöfe und gerade für die vielen
Baulücken in deutschen Großstädten.
|
 |
| |
| |
|
 |
Single-Bewohner
und Kleinfamilien könnten so statt einer Wohnung ihr eigenens kleines
Reich beziehen. Die vielen ungenutzten Kleinstflächen könnten auf diese
Weise sinnvoll und ästhetisch in ihre Umgebung integriert werden. Doch
deutsche Bauvorschriften machen die Umsetzung solcher Pläne bisher
nahezu unmöglich. aspekte-Autorin Swaila Roma Klinke hat ein Plädoyer
verfasst für die Integration der Minihäuser in die deutsche
Architektur.
|
 |
| |
| |
|
|
von Julia Ziegler |
|
| |
 |
|
|
 |
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|